Interview: In der Finanzwirtschaft kommt es auf die richtige Balance an

Nicht nur im Alltag ist Balance wichtig – auch in der Finanzwirtschaft spielt sie eine bedeutende Rolle. Die aktuellen Markt- und Rahmenbedingungen, die von der Europäischen Zentralbank und der Bankenaufsicht vorgegeben werden, führen zu einem ständigen Anpassungsbedarf.

Nicht nur im Alltag ist Balance wichtig – auch in der Finanzwirtschaft spielt sie eine Rolle. Wie sieht der Weg für die Sparkasse aus?

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In der gesamten Finanzwirtschaft muss ein Weg gefunden werden, um Kosten und Kundeninteressen in Balance zu bringen. Wir haben zu diesem Thema mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Fürth, Hans Wölfel, gesprochen.

Hans Wölfel, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fürth

Wie sieht dieser Weg Ihrer Meinung nach aus?

Hans Wölfel: “Das historisch niedrige Zinsniveau und die Einführung negativer Zinssätze durch die Europäische Zentralbank seit 2014 belastet alle Banken und Sparkassen. Die weitere Erhöhung der Minuszinsen im September 2019 seitens der Zentralbank hat die Marktbedingungen nochmals drastisch verschärft. Auch in der Sparkasse Fürth bedeutet dies sinkende Einnahmen. Das betrifft das klassische Zinsgeschäft mit Einlagen und Krediten, das eigentliche Geschäftsmodell der Sparkassen.

Hier hat es erhebliche Verschiebungen gegeben: Im Vergleich zu den Kreditausreichungen wurde – trotz anhaltender Niedrigzinsphase – ein Mehrfaches an Einlagen von den Kund:innen angespart. Die Liquiditätsüberschüsse aber müssen Kreditinstitute selbst wieder am Geld- und Kapitalmarkt oder bei den Zentralbanken anlegen, wofür sie Minuszinsen zahlen. Die teilweise Weitergabe dieser „Zinskosten“ an die Kund:innen ist deshalb eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Um die eigene wirtschaftliche Stabilität zu erhalten, ist allerdings noch ein weiterer wesentlicher Schritt notwendig: So müssen auch Leistungen, die bisher kostenfrei waren, künftig mit einem angemessenen Preis versehen werden. Zudem prüfen wir kontinuierlich die Einsparungspotentiale. Hier hilft uns die Digitalisierung, die Prozesse zu verschlanken und Kosten zu senken.”

Ihr Blick in die Zukunft?

Hans Wölfel: “Im Geschäftsstellenbereich lässt sich ein ganz eindeutiger Trend feststellen. Die Anzahl der Kundenbesuche geht bei den reinen Servicevorgängen – und zwar schon vor der Corona-Pandemie – immer weiter zurück. Viele Dienstleistungen werden von unseren Kund:innen schon heute digital in Anspruch genommen, die Pandemie hat dies noch weiter verstärkt. Demgegenüber steigt die Nachfrage nach einer qualitativ hochwertigen Beratung, insbesondere zu Spezialthemen. Daher steht seit 2020 allen Berater:innen die Möglichkeit zur Verfügung, per Screen-Sharing bzw. Bildschirmübertragung bei der Telefonberatung wichtige Unterlagen und Grafiken gemeinsam mit Kund:innen zu betrachten. Dieser neue Kommunikationsweg wird aktiv von unseren Kund:innen quer durch alle Altersgruppen wahrgenommen. Sie lassen sich ganz bequem online zu Hause beraten – auch zu komplexen Themen, wie etwa einer Immobilienfinanzierung oder der Absicherung von Lebensrisiken.”

Schauen Sie zuversichtlich in die Zukunft?

Hans Wölfel: “Als Marktführerin und Anbieterin von klassischen Finanzdienstleistungen und Premiumangeboten für Privat- und Firmenkunden lenken wir unsere Investitionen stärker in tragfähige und nachgefragte Zukunftsstrukturen sowie Beratungskanäle. Die Sparkasse Fürth bringt damit ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Balance mit den sich abzeichnenden Herausforderungen. Mit künftig 17 personenbesetzten Geschäftsstellen und 15 SB-Standorten können wir den öffentliche Auftrag als Kreditinstitut und Förderer der Region weiterhin zeitgemäß erfüllen. Gleichzeitig bieten die digitalen Zugangswege ein Service- und Beratungsangebot, das vielen Kund:innen lange Wege und Zeit erspart. Wir sind also bestens vorbereitet und entwickeln uns ständig weiter. Von daher sehe ich zuversichtlich nach vorne.”

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

 

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