Interview: Die Sparkasse ist ein Stück „Gemeingut“

Im ersten Teil sind wir auf die richtige Balance zwischen den aktuellen Markt- und Rahmenbedingungen und den Kundenwünschen eingegangen und haben uns über die Digitalisierung unterhalten. Diesmal geht es um die Rolle der Sparkasse Fürth in der Region.

Hans Wölfel, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fürth

Herr Wölfel, wodurch unterscheidet sich die Sparkasse Fürth eigentlich von anderen Kreditinstituten?

Hans Wölfel: Als Sparkasse haben wir den öffentlichen Auftrag, alle Bevölkerungsschichten mit finanzwirtschaftlichen Leistungen zu versorgen. Eine Sparkasse ist daher ein Stück „Gemeingut“. Groß- und Direktbanken sind dagegen ihren Anteilseignern und Aktionären verpflichtet, haben also deren Interessen im Blick. Die Sparkasse Fürth ist regionale Arbeitgeberin und Steuerzahlerin, wichtige Sponsoring und Spendenpartnerin für unsere Vereine und gemeinnützige Organisationen. Aber nicht nur das: Mit rund 647 Mio. Euro Ausgabevolumen im vergangenen Jahr hat sie mit ihrem Geldautomatennetz die Bargeldversorgung in der Region sichergestellt.

Traditionell sind die Sparkassen mit dem Mittelstand sehr verbunden, wie sieht es in Fürth aus?

Hans Wölfel: Die besondere Bedeutung eines starken lokalen Kreditpartners hat sich während der aktuellen Corona-Pandemie erneut bemerkbar gemacht. Mit der Ausreichung der Corona-Fördermittel in Höhe von knapp 23 Mio. Euro und mehr als 700 Tilgungsaussetzungen ging die Sparkasse nicht nur selbst ins wirtschaftliche Risiko, sondern bewies einmal mehr, dass sie eine wichtige Stütze für die gewerblichen Kund:innen ist. Ebenso trug das überdurchschnittliche Engagement von vielen Mitarbeiter:innen erheblich dazu bei, Unternehmen zu stabilisieren. Zudem haben wir letztes Jahr Kredite für ökologische Zwecke in Höhe von 90,8 Mio. Euro bereitgestellt und 235 nachhaltige Projekte finanziert. Zukünftige Generationen werden von der deutlichen Reduzierung der CO2-Emissionen profitieren.

Herr Wölfel, in vielen Unternehmen sind die Personalkosten ein wahrer Kostentreiber.

Hans Wölfel: Seit 2000, also dem Fusionsjahr der Stadtsparkasse Fürth mit der Vereinigten Sparkasse im Landkreis Fürth, sank die Anzahl der Mitarbeiter:innen von rund 1.000 Personen auf aktuell etwas mehr als 600. Auch am Vorstand gingen die personellen Veränderungen nicht spurlos vorüber – die Anzahl der Vorstandsmitglieder reduzierte sich in diesem Zeitraum von einem mehrköpfigen Gremium auf ein Zweier-Team. Für die Sparkasse Fürth ist es wichtig, eine Balance zwischen weniger Personal und dem hohen Qualitätsanspruch sicherzustellen. Auch der letzte, eher moderate Tarifabschluss aus dem Jahr 2020 trug zur weiteren Stabilisierung der Kosten bei.

Was bedeutet dies für ihr Geschäftsstellennetz?

Hans Wölfel: In regelmäßigen Abständen überprüfen wir unser Geschäftsstellennetz. Die Anzahl der Kundenbesuche in jeder einzelnen Filiale sowie deren Nähe zu hochfrequentierten Nachbarstandorten spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung. Gleichzeitig ist das zunehmend „hybride“ Verhalten der Kund:innen zu berücksichtigen, also der Wunsch nach einer Verzahnung von persönlichem Kontakt mit digitalen Angeboten.

Die Sparkasse Fürth hat deshalb bereits 2020 Anpassungen vorgenommen. Wesentlicher Baustein waren dabei die Öffnungszeiten für Servicegeschäfte – also die Zeiten, in denen einfache und beratungsfreie Bankgeschäfte erledigt werden. Bei diesen Servicezeiten orientierten wir uns noch stärker an den tatsächlichen Kundenströmen und variierten die Öffnungszeiten je nach Standort. Außerdem wird die Geschäftsstelle in der Schwabacher Straße zur Mitte des Jahres geschlossen. Die Kunden werden dann in der Hauptstelle kompetent betreut. Die Geschäftsstelle in der Robert-Koch-Straße wird zu diesem Zeitpunkt in eine SB-Stelle umgewandelt.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

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Das Geschäftsjahr 2020 in Zahlen:

Von einer starken Sparkasse Fürth profitiert die ganze Region. Die Erträge bleiben hier, wo sie erwirtschaftet werden, die Gewerbesteuerzahlungen stärken den Handlungsspielraum der Städte und Gemeinden im Geschäftsgebiet. Und durch die Förderung von sozialen, karitativen, sportlichen und kulturellen Aktivitäten, gewinnen auch die Menschen, die hier leben und arbeiten, durch den Erfolg der Sparkasse.

 

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