Serie Edelmetalle – Teil II

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Edelmetallprodukten (Anlagegold) und ihrer immer größeren Bedeutung in der Vermögensbeimischung bieten wir unseren Leserinnen und Lesern die Gelegenheit, tiefer in das Thema einzusteigen und sich eine fundierte Meinung zu bilden.

Wir haben deshalb einen Experten aus dem Fachbereich der BayernLB für Sie zur Seite genommen.

Herr Falaschi, Abteilungsdirektor und Vertriebsleiter des Bereiches Sorten und Edelmetalle der BayernLB wird die interessierten Leser durch die Welt der Edelmetalle führen und einige wichtige Anregungen in vier Beiträgen liefern. Diese stellen keine Research- oder Hausmeinung dar und sind ausschließlich Erfahrungsberichte des Autors.

Goldrichtig handeln – Physische Edelmetalle als Anlagebeimischung

Wer den ersten Teil dieser Edelmetallserie („Edelmetalle begleiten die Menschheit seit mehreren Jahrhunderten“) gelesen hat und weitere fünf Minuten in dieses Thema investieren möchte, wird vermutlich besser verstehen, wieso auch ich die Meinung vertrete, dass Vorsorge besser als Heilen ist.

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als Kreditinstitute noch mit Gold am Schalter handelten. Fast Jeder (Lehrlinge, wie vermögende Kunden) kaufte Gold als Geschenk oder als Anlage. Vor dem Inkrafttreten der Richtlinie 98/80/EG zahlten Investoren eine Mehrwertsteuer auf Goldinvestmentprodukte. Seit der Umsetzung dieser Richtlinie am 12. Oktober 1998 genießen Anleger europaweit eine komplette MwSt.-Befreiung bei Anlagegold.

Zum „Anlagegold“ gehören folgende Produkte:

  • Gold in Barren- oder Plättchenform mit einem von den Goldmärkten akzeptierten Gewicht und einem Feingehalt von mindestens 995 ‰
  • Goldmünzen mit einem Feingehalt von mindestens 900 ‰, die ab dem Jahr 1800 geprägt wurden und in ihrem Ursprungsland als gesetzliche Zahlungsmittel deklariert sind/waren.  Außerdem darf der Handelspreis 80 % des Goldgehalts nicht übersteigen.

Alle Goldbarren und die Mehrheit der Goldmünzen, die Sie über Ihre Sparkasse erwerben, erfüllen die genannten Voraussetzungen.

Asset-Klasse Edelmetalle zugunsten anderer Investmentprodukte

Seit 1998 ist viel passiert. Die Mehrheit der Kreditinstitute und ein Großteil der Anleger haben die Asset-Klasse Edelmetalle zugunsten anderer Investmentprodukte aufgegeben. In den 90er Jahren entwickelte sich die Fondsbranche und Ende der 90er hatten einen Ansturm auf die Aktien des Neuen Marktes. Die Börsen versprachen unendliche Gewinne und die Menschengier fand ihre Befriedigung. In diesen Jahren wurde eine Vielzahl von Börsengurus geboren. Niemand wollte mehr Edelmetalle. Diese zahlten keine Zinsen bzw. Dividenden und ihre Wertentwicklung war nicht so dynamisch wie eine Aktie.

Damals war ich auch beruflich im Wertpapierbereich tätig und versuchte trotzdem, die alten Goldstücke nicht zu vergessen. Edelmetalle fand ich immer eine vernünftige und sinnvolle Anlagebeimischung. Das hatte sicherlich mit meiner wenig risikofreudigen Lebenseinstellung zu tun. Wenn ich sehe, was die Jahre danach mit sich brachten (eine Krise nach der anderen) bin ich froh, dass ich so altmodisch agiert habe. Glauben Sie mir, von Langeweile war aber nie die Rede.

Edelmetalle und ihre Wertbeständigkeit

Was mich an Edelmetallen immer fasziniert hat, ist ihre Wertbeständigkeit. Wissen Sie, dass ein kleiner Ford Mittelklasse in den USA seit fast 100 Jahren ca. 14 Feinunzen Gold kostet? Und das, obwohl der Listenpreis in US-Dollar von 285 auf 23.500 gestiegen ist. Die Kaufkraft von Gold ist im Laufe der Jahre mehr oder weniger stabil geblieben. Was sich immer verschlechtert hat, ist unser Geld (seine Kaufkraft). Ohne die Bindung eines Geldsystems an eine nicht beliebig vermehrbare Ware ist eine unkontrollierte Ausweitung der Geldmenge vorprogrammiert. Ich bin kein Prophet oder Wahrsager und noch weniger ein Verfechter von Katastrophenszenarien. Ich möchte einfach „vorsorgen“.

Seit der Lehman Pleite im Jahr 2008 erleben wir eine Renaissance der Edelmetalle auf Raten. Wieso auf Raten? Weil vor allem der Goldpreis durch kontrollierte Unterdrückungsmaßnahmen regelmäßig gedämpft wird. Es ist logisch, dass sich dieser bei der aktuellen Geldmengenausweiterung nicht frei bewegen darf. Ein zu stark steigender Goldpreis signalisiert eine Währungsschwäche. In einer Phase, in der Rettungspakete für Länder und Unternehmen in mehreren Milliarden Höhe geschnürt und platziert ist, darf keine Goldralley stattfinden. Wie lange diese Preise gesteuert werden, kann niemand sagen. Fakt ist, dass der Goldpreis schon lange nicht mehr von physischem Angebot und Nachfrage bestimmt ist. Der Goldpreis wird von Terminkontrakten bewegt.

Anlagegold kriminalisieren

Der Versuch, Edelmetalle zu kriminalisieren, ist immer noch im Gange. Die Denkweise, dass Edelmetallanleger ausschließlich Schwarzgeld investieren, ist sehr naiv und wurde sicherlich in die Welt gestreut, um dieses Geschäft noch stärker zu regulieren. Die Senkungen der Bargeldgrenze für den anonymen Erwerb von Edelmetallen in den Jahren 2017 (von 15.000 € auf 10.000 €) und 2020 (von 10.000 € auf 2.000 €) sind ein Beweis dafür. Dagegen muss man feststellen, dass, obwohl die Meldefälle für Geldwäsche nach Regierungsangaben in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind, der Anteil der Edelmetallfälle, die zur Strafanzeige geführt haben, bei nur 0,22 % (175 Fälle bundesweit in 2018) lag.

Bevor man in physische Edelmetalle investiert, ist es ratsam, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Es gibt mittlerweile hunderte von Produkten in unterschiedlichen Ausfertigungen und Gewichten. Über die Höhe der Quote in der Vermögensstreuung kann man sich streiten. Diese hängt von vielen Faktoren ab, wie Vermögensstruktur, Risikobereitschaft, Anlegermeinung, usw. Denken Sie vielleicht an eine Risikolebensversicherung. Hier muss die Versicherungssumme im Todesfall stimmen. Übertreibungen nach unten und nach oben sind immer schlecht. Wenn Sie auch vorsorgen möchten, dann suchen Sie sich eine Versicherung für Ihr Vermögen. Vielleicht finden Sie in physischen Edelmetallen etwas Passendes für sich.

 

Zur Serie Edelmetalle – Teil III

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