Serie Edelmetalle – Teil III

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Edelmetallprodukten (Gold und Silber) und ihrer immer größeren Bedeutung in der Vermögensbeimischung bieten wir unseren Leserinnen und Lesern die Gelegenheit, tiefer in das Thema einzusteigen und sich eine fundierte Meinung zu bilden.

Wir haben deshalb einen Experten aus dem Fachbereich der BayernLB für Sie zur Seite genommen.

Herr Falaschi, Abteilungsdirektor und Vertriebsleiter des Bereiches Sorten und Edelmetalle der BayernLB wird die interessierten Leser durch die Welt der Edelmetalle führen und einige wichtige Anregungen in vier Beiträgen liefern. Diese stellen keine Research- oder Hausmeinung dar und sind ausschließlich Erfahrungsberichte des Autors.

Goldrichtig handeln – Gold und andere Edelmetalle

Das Anlageuniversum der physischen Edelmetalle ist sehr überschaubar. Neben Gold würde ich Silber, Platin und Palladium nennen. Denn für alle diese Metalle existiert eine breite Produktpalette in Deutschland und für alle diese Stücke ein Marktpreis.

Anders als Gold, finden Silber, Platin und Palladium ihren Haupteinsatz in der Industrie. Sie werden in unterschiedlichen Industrieanwendungen umgesetzt. Während Platin und Palladium hauptsächlich in der Automobilindustrie gebraucht werden, ist der Einsatz von Silber vielfältiger (Automobil-, Solar-, Elektroindustrie und Medizintechnik).

Gold wird hauptsächlich als Anlageprodukt gehandelt und hat seit Jahren die Hauptrolle in der Anlagewelt übernommen. Diese Prämisse war mir wichtig, da die Beweggründe für eine Anlage in Gold sich häufig von denen für eine Anlage in den restlichen Industriemetallen (Silber, Platin und Palladium) unterscheiden.

Weitere Unterschiede liegen in der steuerlichen Behandlung der Metalle. Der Kauf von Anlagegold (Serie Edelmetalle – Teil II) ist für Privatanleger von der Mehrwertsteuer befreit. Palladium und Platin unterliegen der vollen Mehrwertsteuer. Silberprodukte unterliegen der Mehrwertsteuer (Silberbarren oder -münzen aus EU-Ländern) bzw. der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG (Münzbarren und Münzen aus Nicht EU-Ländern). Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt bei der Suche nach der passenden Anlageform.

Anlage in Edelmetallen

Wer sich für eine Anlage in Edelmetalle entscheidet, sollte genau betrachten, ob ein Kauf physisch (z.B. am Schalter oder über bestimmte Sparpläne wie SOLIT Edelmetalldepot Tarif S) oder synthetisch (z. B. Zertifikate, Inhaberschuldverschreibungen, usw.) sinnvoller ist. Wer Wert auf eine Auslieferung legt, wird sicherlich die erste Variante bevorzugen. Die synthetische Variante nutzen eher Investoren, die von Preisschwankungen profitieren wollen. Es gibt für jeden Geschmack und jede Anlagestrategie etwas Passendes.

Nachdem ich Edelmetalle nicht als Spekulationsinstrumente sehe, bevorzuge ich persönlich die physische Variante. Ich denke, dass ich damit nicht der Einzige bin. 2019 haben die Deutschen in 103,3 Tonnen neue Goldmünzen und Goldbarren investiert. Wenn man betrachtet, dass auch Umlaufware den Besitzer wechselt, könnte 2019 sogar physisches Investmentgold für insgesamt ca. 140 Tonnen bundesweit gehandelt worden sein. Bei einem durchschnittlichen Goldunzenpreis von 1.262,71 € im Jahr 2019 reden wir von einem Businessvolumen von ca. 57 Mrd. €. Daraus resultierte, dass jeder Deutsche 2019 durchschnittlich ca. 70 € in Goldmünzen oder Goldbarren investiert hat. Wie bei allen Statistiken liegt die Wahrheit nicht in der Mitte. Hier heißt es, dass wenige Deutsche viel und viele Deutsche 2019 kaum oder gar kein Gold erworben haben.

Silberinvestmentprodukte

Das Interesse an Silberinvestmentprodukten hat aufgrund des moderaten Silberpreises und des für Silber historisch besonders günstigen Preisverhältnisses in Relation zu Gold (Gold/Silber Ratio) stark zugenommen. Durch die Schließung vieler Minen und Scheideanstalten in Folge der Corona-Pandemie mussten Anleger erneut feststellen, dass Gold, Silber, Platin und Palladium knappe Güter sind. Diese Metalle lassen sich nicht beliebig vermehren und die Ressourcen unter der Erde werden immer knapper. Wenn in den nächsten Jahren Gold und Silber mit der gleichen Geschwindigkeit wie in 2019 gefördert werden, schätzen Geologen die Lebensdauer der noch vorhandenen Gold- und Silberressourcen auf ca. 20 Jahre.  Die Förderkosten werden auch zunehmen, weil sich die übrigen Ressourcen noch tiefer unter der Erde verbergen. Die Folgen dieser Fakten sollten jedem klar sein.

Gold unter Marktpreis

Zum Schluss möchte ich Sie vor zu günstigen Angeboten warnen. Niemand verkauft Gold unter Marktpreis! Nehmen Sie bitte auch Abstand von Produkten, die häufig in vielen Werbeprospekten als „Raritäten“ oder „Streng limitierte Auflage“ angeboten werden. Der Preisaufschlag zum Gold ist bei solchen Produkten übertrieben und geht meistens bei einem Weiterverkauf verloren.

In diesem Produktdschungel ist es ratsam, sich auf Standardbarren und Anlagemünzen zu konzentrieren, da sie sich besser weiterverkaufen lassen. Die äußerst interessante Möglichkeit des Ratensparens in Edelmetalle wird im nächsten Teil ausführlich beschrieben.

 

Zur Serie Edelmetalle – Teil IV

Weitere Retro-Ecken-Berichte finden Sie hier.

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