Der Dax steht vor der größten Reform seiner Geschichte

Mit der Aufstockung am 20. September 2021 bekommt der Dax ein internationales Format. So umfasst der französische CAC derzeit 40 Titel, der britische FTSE sogar 100 und der japanische Nikkei 225 Unternehmen.

„Es gibt zwar keinen Idealwert, was die Zahl der Titel betrifft“, sagt Christoph Kaserer, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München. „Aber wenn man sich umschaut, fällt auf, dass der Dax bisher zu den kleinsten unter den wichtigen Leitindizes gehört.“

Dax – Erweiterung von 30 auf 40 Unternehmen

Mit der Reform steigt aber nicht nur die Marktkapitalisierung. Der erweiterte Dax wird voraussichtlich vor allem besser sortiert sein. Chemie, Auto, fossile Energien und Finanzkonzerne – bislang versammelt der Dax hauptsächlich Traditionsbranchen. „Im Vergleich zu anderen Blue-Chip-Indizes ist er dadurch relativ konjunkturabhängig“, sagt Wolfgang Ewig, Fondsmanager des DekaFonds. „Die Reform macht ihn nun attraktiver, weil das Branchenbild ausgewogener und dadurch weniger zyklisch wird.“ Anlass der Reform ist allerdings der Wirecard-Skandal. Die starren Indexregeln beim 33 Jahre alten Börsenbarometer waren in die Kritik geraten, weil sie ein schnelles Aussortieren des Zahlungsdienstleisters verhinderten – selbst als klar war, dass erhebliche Bilanzmanipulationen im Spiel waren.

Am 20. September werden deshalb in einem Schwung die zehn wertvollsten Firmen aus dem MDax in die erste Börsenliga aufsteigen. Gleichzeitig macht die zweite Reihe unter den deutschen Indizes eine Schlankheitskur, indem der MDax von 60 auf 50 schrumpft. Die Zahl im SDax bleibt unverändert bei 70 Unternehmen. Neu ist, dass künftig allein die Marktkapitalisierung über die Zugehörigkeit zur Dax-Familie entscheidet. Außerdem wird die Börse die Zusammensetzung des Leitindex nicht mehr nur im September, sondern jedes Jahr auch im März überprüfen. Und schließlich muss jeder Aspirant zwei Jahre lang Gewinne geschrieben haben, um Chancen zu haben, in den Dax aufgenommen zu werden.

Ausschluss nach kurzer Warnfrist

Wolfgang Ewig begrüßt die Reform: „Dass alle Mitglieder in den Dax-Auswahlindizes verpflichtet werden, ihre testierten Jahresabschlüsse und Quartalsberichte innerhalb bestimmter Fristen vorzulegen, ist positiv zu werten.“ Unternehmen, die gegen diese Regel verstoßen, werden nach einer 30-tägigen Warnfrist unmittelbar aus dem jeweiligen Index geworfen.

Ein Bruch mit der Vergangenheit ist die Reform allerdings nicht. Prognoserechnungen zufolge werden die zehn neuen Titel im Dax auf ein Indexgewicht von etwa 13 Prozent kommen.

Genaues lässt sich allerdings erst am 3. September sagen. An dem Tag bestimmt die Deutsche Börse, welche zehn Unternehmen aufsteigen. Basis dafür ist die durchschnittliche Marktkapitalisierung der 20 Handelstage zuvor.

Als nahezu sicher gilt, dass Airbus einen der begehrten Plätze bekommt. Ebenfalls gute Chancen auf den Dax räumen Experten dem Online-Modehändler Zalando und dem Duft- und Aromahersteller Symrise ein. Mit dem E-Commerce-Konzern Zalando würde nach Delivery Hero ein weiterer Vertreter der New Economy in den Dax kommen. Symrise gilt als Haus- und Hoflieferant zahlreicher Konsum- und Nahrungsmittelhersteller wie etwa Nestlé und Unilever. Neben diesen beiden Aktien stehen bei vielen Experten der Lieferdienst Hellofresh, der Medizintechnikproduzent Siemens Healthineers, der Laborausrüster Sartorius, die Biotech-Firma Qiagen, aber auch das Ex-Dax-Mitglied Beiersdorf, Hersteller von Nivea, als Dax-Aspiranten auf dem Zettel.

Doch was ändert sich nun für Anlegerinnen und Anleger? Im ersten Moment nichts. Wenn der erweiterte Dax am Anfang der dritten vollen Septemberwoche in den Handel startet, wird er deswegen keinen Sprung nach oben machen. Nur die Gewichte im Indexkorb verteilen sich anders. Darauf allerdings werden passive Indexfonds und Investierende, die sich eng am Dax orientieren, reagieren müssen. Weil das relative Gewicht der bisherigen 30 Indexunternehmen sinkt, sind sie gezwungen, deren Aktien zu verkaufen. Im Gegenzug landen die zehn Neulinge in vielen Portfolios.

 

Sparkasse Fürth, Thomas Mück, Leiter Marketing.
Sparkasse Fürth, Angelika Uebelacker, Marketing.
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